Die Schulfreundin – Teil 2

4
(12)

Diese Geschichte ist frei erfunden und enthält möglicherweise sexuelle Inhalte!

Es blieb mir keine Zeit, um mich von der Enttäuschung zu erholen und umzudenken.

Neben mir erscholl eine Stimme:

„Na los Thomas! Hopp, hopp! Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“

Noch immer das Handy am Ohr sah ich zur Seite und bestaunte die Frau, die da neben mir stand.

Sie war keine fette kleine Raupe mehr.

Sie war aber auch keine große fette Raupe.

Hochgewachsen stand sie neben mir, war etwas breiter als das Fotomodell drei Tische weiter und vollbusig.

Nicht wirklich eine Rubensfigur, dafür war sie zu schlank.

Ihre roten Haare waren zu einem Knoten geschlungen und sie trug eine schwarze Brille auf der Nase.

Ungeduldig sah sie mich an und drängelte wieder:

„Los, trink aus! Wir verpassen noch unseren Zug!“

Baff stand ich auf, wollte schon mit ihr gehen, ja es gab eine gewisse Ähnlichkeit mit der kleinen Mitschülerin, die einmal so verliebt in mich gewesen war.

„Dein Koffer“, tönte es in meine Gedanken.

Verlegen drehte ich mich um und griff nach meinem Koffer auf dem Boden unter dem Tisch.

Sie nahm mich an die Hand und ging schnell durch den Bahnhof.

Am Aufgang zum Gleis nahmen wir nicht die Rolltreppe, sondern die festen Stufen und oben angekommen japste ich vernehmlich.

„Ja, genau so schlank wie damals“, bemerkte sie mit einem süffisantem Lächeln und tätschelte mir den Bauch.

Erschrocken machte ich einen Satz nach hinten. Ich war schon immer sehr kitzlig gewesen.

Ihr Lächeln wurde breiter und erneut wollte sie meinen Bauch berühren. Diesmal wich ich ihr aus und ihr Lächeln wurde noch breiter.

Jetzt fuhr der Zug ein, die Türen öffneten sich und sie zog mich in einen leeren Wagen. Dort schubste sie mich auf einen Sitzplatz am Fenster und setzte sich mir dann gegenüber.

Der Wagen füllte sich, dann fuhren wir los.

Neugierig und aufgeregt sah ich sie an und sie sah zurück. Und die ganze Zeit lächelte sie still vor sich hin und schien sich sehr zu amüsieren.

Nach einer Weile fragte ich:

„Wo fahren wir eigentlich hin?“

Einsilbig sagte sie nur:

„Nach Hause.“

„Und wo ist das?“

„Zu Hause halt.“

Immer noch lächelte sie geheimnisvoll und ich sah, sie würde es mir nicht verraten.

Der Zug hielt an einigen Bahnhöfen. Leute stiegen aus, andere stiegen ein, doch nach und nach wurde der Wagen leerer und alle Mitreisenden hatten nun Sitzplätze.

Im Gang hinter mir ertönten jetzt Stimmen, dann standen zwei Männer in Uniform vor unserer Sitzgruppe.

„Die Fahrscheine bitte!“

Der junge Mann, der noch bei uns saß, zog ein Kärtchen hervor, das abgenickt wurde und auch meine Begleiterin präsentierte den beiden einen Fahrschein.

„Uns Sie mein Herr, was ist mit Ihnen“, wurde ich gefragt.

Aber ich hatte kein Ticket. Alles war so schnell gegangen und die Frau, die mir gegenüber saß, tat, als ginge sie das alles nichts an.

Zum Schein durchsuchte ich meine Taschen.

Die Zeit dehnte sich, als ich fieberhaft überlegte, was ich tun könnte.

Plötzlich schaltete sich meine Begleiterin ein:

„Ach Schätzchen! Nie denkst du an die Fahrkarte!“

Sie wandte sich an die beiden Kontrolleure.

„Es tut mir leid meine Herren, aber mein Kleiner ist mit seinen Gedanken auch immer woanders.“

Sie zog ihr Ticket und noch einen zweiten Schein hervor und übergab beides dem einen Kontrolleur.

„Also, gute Frau, das hätte Ihnen auch vorher einfallen können!“

Ungeahnt charmant entschuldigte sie sich bei den Beiden und klimperte gekonnt mit den Augen.

„Ja, ja, ist schon gut“, brummte der Andere schließlich und gab ihr unsere Tickets zurück.

Das amüsierte Lächeln, das sich jetzt wieder in ihrem Gesicht einfand, kannte ich dagegen sehr gut. Und bevor ich sie auf das Ticket ansprechen konnte, stand sie auf und zog mich ebenfalls hoch.

„Komm, Kleiner. Hier müssen wir raus.“

Auf dem Bahnsteig sagte ich:

„Was sollte das eigentlich mit dem Ticket? Und hör auf mich Kleiner zu nennen!“

Aber sie antwortete nicht, lächelte nur still und schien sich prächtig zu amüsieren.

Ein Blick, den ich noch oft an ihr beobachten konnte.

„He! Ich hab dich was gefragt!“

Langsam wurde ich wütend und griff nach ihrem Arm.

„Fassen Sie mich nicht an“, rief sie laut und andere Leute auf dem Bahnsteig wurden aufmerksam.

Nun kamen zwei gestandene Mannsbilder zu ihr und während der Eine mich drohend fixierte, fragte der Andere:

„Belästigt Sie der Mann?“

Wieder entwand sie sich mit viel Charme und Augenklimpern der Situation, bedankte sich für die angebotene Hilfe und erklärte glatt, sie könne Karate und sei sehr wohl in der Lage, solch einen Hänfling wie mich zu Boden zu schicken.

Betört verschwanden die Beiden wieder im Hintergrund, behielten uns aber im Auge. Besonders mich natürlich.

Ich selber fragte mich, ob ich ihre Hilfe nun wirklich so dringend brauchte.

Ja, ich war pleite und hatte kaum noch Geld.

Aber war es wirklich nötig mit ihr zu gehen?

Der Bahnsteig war ein sehr öffentlicher Ort und ich konnte ja auch woanders hingehen.

Der Ortsname auf dem Schild am Bahnsteig sagte mir nichts und ich wusste nicht, wie weit wir inzwischen von München entfernt waren oder in welche Richtung wir gefahren waren.

Sie spürte wohl, dass ich mit dem Gedanken spielte mich davonzumachen.

Die beiden Mannsbilder schauten gerade in eine andere Richtung.

Sie kam zu mir und ohne mich anzusehen, sagte sie leise:

„Nicht weglaufen, Kleiner. Das hier ist nur eine Station zum Umsteigen. Der Ort selbst ist über vier Kilometer entfernt. Komm lieber mit zu mir. Da gibts ein reichhaltiges Abendessen und ein gutes Bett. Und eine Dusche gibts dort auch. Ich sag dir, diese Nacht wirst du nie vergessen.“

Und sie sollte recht behalten!

An meine erste Nacht in ihrem Haus erinnerte ich mich bis heute ganz genau und in allen Einzelheiten.

Einige Minuten später fuhr ein Zug an den Bahnsteig und als sie mir zunickte, wir standen wieder ein paar Schritte entfernt voneinander, stieg ich ein.

Es piepte schon, als sie mir in den Wagen folgte und hinter ihr schlossen sich dann auch die Türen.

Wieder saßen wir uns an einem Fenster gegenüber.

In der folgenden Dreiviertelstunde leerte sich der Zug.

Draußen wurde es immer dunkler. Die beiden Mannsbilder, die ihr auf dem Bahnsteig beistehen wollten, waren mit einem letzten Blick auf mich ausgestiegen und nun waren wir fast allein im Wagen.

Zwei Stationen später hatten wir die Endstelle erreicht und nun mussten auch wir den Zug verlassen.

Wortlos folgte ich ihr auf den erleuchteten Bahnsteig und ohne dass wir durch eine Unterführung gehen mussten, gelangten wir aus dem Bahnhof heraus.

Vor dem Gebäude gab es eine lange Stichstraße, die sich in der Dunkelheit verlor. Vor dem Bahnhof selbst befanden sich Haltestellen für Busse und ein großzügiger Wendekreis. Aber jetzt stand natürlich kein Bus bereit und es wartete auch niemand mehr an den Haltestellen.

Ein paar Mitreisende waren mit Autos abgeholt worden und über die Straße verschwunden. Nur meine ehemalige Mitschülerin und ich standen noch unter einer Laterne am Wendekreis.

Langsam schlenderte sie nun über den Wendekreis und ging mitten auf der Straße vom Gebäude weg.

Links und rechts neben der Straße gab es unbefestigte Parkplätze und vereinzelt standen noch einige Autos quer zur Straße auf der gekiesten Fläche.

Ich folgte ihr und bestaunte dann mit ihr zusammen einen großen Geländewagen. Kantig stand der ältere Wagen dort und hatte nichts modernes Windschlüpfriges.

„Na Thomas, was hältst du davon. Ist der nicht schön?“, fragte sie mich mit einem verschwörerischem Lächeln.

Mit trockenem Hals betrachtete ich den bulligen Wagen.

„Doch doch“, sagte ich.

Von einem eigenen Auto hatte ich bisher immer nur träumen können. Ich hatte nicht einmal einen Führerschein.

Während sie immer noch um den Geländewagen herumging, hielt ich auf den Parkplätzen Ausschau nach einem Kleinwagen, den Frauen meiner Erfahrung nach bevorzugt fuhren.

Aber unter den wenigen Fahrzeugen, die hier noch standen, erfüllte keiner meine Vorstellungen. Hier standen nur Kombis und auch SUVs, die alle den Eindruck machten, als wären sie immer wieder auch im Gelände unterwegs.

Auch der Wagen, um den meine Begleiterin herumschlich, hatte deutliche Gebrauchsspuren und an den Kotflügeln hatte sich Sand und Erde abgesetzt.

„Komm Thomas, den nehmen wir“, sagte sie hinter mir.

Erstaunt drehte ich mich um.

„Ist das etwa deiner?“

„Nein“, sagte sie fröhlich und winkte mit einem Autoschlüssel, „aber wir nehmen ihn trotzdem!“

„Und wo hast du den Schlüssel her?“, fragte ich.

„Der lag auf dem Hinterrad“, antwortete sie und stand neben der geöffneten Fondtür auf der Beifahrerseite.

„Komm Kleiner, einsteigen!“

Entsetzt sah ich sie an:

„Das ist Diebstahl!“

Und ich sah mich schon im Gefängnis sitzen!

Lachend rief sie mir zu:

„Komm Thomas, trau dich. Und keine Angst. Ich kenne den Besitzer.“

Widerstrebend ging ich zu ihr.

„Hopp, Kleiner, einsteigen!“, sagte sie und wies mit der Hand auf den Rücksitz.

„Du sollst mich nicht Kleiner nennen“, beschwerte ich mich wieder.

Breit lachend richtete sie sich auf.

„Warum denn nicht?“

Tatsächlich war sie ein paar Zentimeter größer als ich. Und als ich auf ihre Schuhe blickte, musste ich feststellen, dass sie keineswegs Pumps oder andere Hochhackige trug. Ihre Füße steckten immer noch in einfachen Turnschuhen.

Sie stellte sich neben mich und fragte mich neckend:

„Na, soll ich dir mal auf den Kopf spucken?“

Tatsächlich spitzte sie die Lippen.

Schnell stieg ich ein, schon um ihr aus dem Weg zu gehen. Bevor sie die Tür schloss, nahm sie den Sicherheitsgurt und schnallte mich an, als sei ich wirklich ihr Kind.

„He“, rief ich, „das kann ich selbst.“

„Aber sicher doch“, kam es zurück.

Sie warf die Tür zu, ging um das Auto herum und legte meinen Koffer in den Kofferraum. Dann nahm sie hinter dem Lenkrad platz.

„Und mein Kleiner? Bist du auch noch schön angeschnallt?“

Sie wandte sich zu mir um.

Gereizt sah ich sie an.

„Was soll das alles? Ich bin doch nicht dein Kind! Oder dein kleiner Bruder! Weißt du was? Ich steig jetzt aus! Es war doch eine Schnapsidee von mir hierherzukommen!“

Erregt wollte ich die Tür öffnen.

Aber obwohl ich den Hebel fast abriss, tat sich gar nichts. Hier war die Kindersicherung aktiviert. Na toll!

Dann versuchte ich den Gurt zu öffnen. Aber auch dieses Schloß konnte ich nicht öffnen!

Was war das nur für eine komische Karre!

Sie sah mir einige Sekunden zu, während ich verärgert mit dem Gurtschloss kämpfte. Dann sagte sie:

„Okay, lass mal gut sein. Wenn du unbedingt willst, dann lass ich jetzt hier raus. Oder du kommst mit zu mir und morgen fahre ich dich dann in die nächste Stadt. Wenn es dir bei mir wirklich nicht gefällt. Das ist doch besser als wenn du jetzt hier durch die Dunkelheit irrst. In einer Gegend, die du gar nicht kennst.“

Widerstrebend stimmte ich zu.

So startete sie den Motor und der große Wagen setzte sich in Bewegung.

Die Stichstraße mündete auf eine breite Landstraße und sie gab ordentlich Gas. Schnell brausten wir die Straße entlang.

Ich saß rechts auf dem Rücksitz und meine Begleiterin hinter dem Lenkrad.

Wir fuhren sehr lange. Vom Rücksitz aus konnte ich die meisten Schilder nicht sehen und hatte immer noch keine Ahnung, wo wir uns befanden.

Der Sitz war sehr bequem und so fiel ich langsam in eine Art Halbschlaf.

Das Radio spielte leise Musik und die Fahrgeräusche, das ruhige Brummen des Motors und das leichte Schaukeln waren sehr angenehm.

Mir fiel aber auf, dass es immer höher hinauf ging.

Die Straßen führten zum Teil sehr steil nach oben und wir fuhren auch durch viele Serpentinen.

Nach gut einer Stunde fuhren wir von der Landstraße auf einen unbefestigten Weg.

Aha, dachte ich, jetzt sind wir gleich da.

Kurz danach kamen wir an einen hohen Zaun.

Ich fühlte mich an die amerikanischen Filme erinnert. Ein hoher Maschendrahtzaun mit einem Rohrrahmen als Trägergerüst erhob sich vor uns.

Sie hielt an, stieg aus und schloss das Tor auf. Danach öffnete sie einen großen Flügel, fuhr das Auto hindurch und schloss hinter uns wieder ab.

Dann fuhren wir weiter über den unbefestigten Weg.

Wir kamen aber an kein Haus oder Anwesen.

Statt dessen bog sie schließlich auf einen schmalen Weg zwischen den Bäumen ein, der dann wieder geteert war.

Der schmale Weg führte nach längerer Zeit wieder auf eine richtige Straße.

So fuhren wir noch eine ganze Weile.

Eine Geschichte von: Joe Miller
Diese Geschichte darf nicht kopiert werden!

Wie fandest du diese Geschichte?

4 von 5 Sterne. 12 Nutzer hat/haben abgestimmt!

Bisher gibt es keine Bewertungen....

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.