Aversionstherapie – Teil 6

Diese Geschichte ist frei erfunden und enthält möglicherweise sexuelle Inhalte!

„Du kannst erst mal hierbleiben wenn du willst. Es ist Winter. Da können wir uns zusammenkuscheln und gegenseitig wärmen.“ Melissa war nicht wohl bei dem Gedanken, sich mit dieser Frau zusammen zu kuscheln und mit ihr unter eine ihrer Decken zu schlüpfen. Aber es war wirklich kalt geworden. Melissa war froh, dass sie fürs Erste eine Bleibe hatte. Anne lebte schon lange auf der Straße. Als sie Melissa draußen gefunden hatte, hatte sie sie mit in ihre Hütte genommen. Die „Hütte“ bestand aus einem rostigen Wellblech, ein paar Brettern, alten Schildern und unzähligen alten Decken und Laken. Sie ähnelte mehr einem Unterschlupf als einer Hütte. Anne war stolze Besitzerin eines Camping-Kochers und hatte deshalb immer heißen Tee dabei. Und der tat Melissa richtig gut!

Als Melissa den Wagen ihrer Eltern verlassen hatte, war sie zunächst ziellos herum geirrt. Dann hatte sie sich irgendwann auf den Weg aus der Stadt gemacht. Am Stadtrand unten beim alten Hafen war sie schließlich zusammengebrochen. Dort hatte Anne sie gefunden. Anne fragte nicht viel. Sie sah, dass Melissa als allererstes Hilfe brauchte und deshalb nahm sie sie mit zu sich. Nach dem heißen Tee hatte Melissa sich etwas erholt. „Na, weggelaufen von zu Hause?“ begann Anne das erste Gespräch. „Schlaf dich erst mal aus, morgen sehen wir weiter. Aber mach dir vorher lieber mal ne neue Windel um! Ich will nicht, dass es bei mir nach Pisse stinkt!“ Melissa erschrak. An die Windel hatte sie gar nicht mehr gedacht. Sie war stramm voll. Sie musste beim Laufen immer wieder in die Windel gepinkelt haben. Dabei hätte sie sich doch irgendwo hinter einem Busch verstecken können. Aber sie merkte es nicht mehr, wenn es lief. Sie war total inkontinent! ‚Die haben mich zum Krüppel gemacht‘, dachte sie. „Ähh…“ „Anne! Ich heiße Anne! Aber du darfst Anne zu mir sagen!“ Anne zwinkerte Melissa zu. „Und wie darf ich dich nennen?“ fragte sie. „Ich bin Melissa! Du, ähh… Anne? Ich habe keine neue Windel. Ich weiß jetzt nicht, wo ich eine herkriegen soll.“ Melissa schämte sich etwas. „Okay, das habe ich mir schon gedacht“, sagte Anne. „Ich werde dir erst mal eine von meinen Monatsbinden geben. Habe ich mir im Supermarkt geborgt!“ Sie lachte. „Aber morgen musst du dir selber was organisieren, sonst wird es bald eng. Gib mir deine volle Windel. Ich werde sie für dich entsorgen!“ „Das musst du nicht! Das kann ich doch selber machen.“ Melissa war es unglaublich peinlich. „Damit du draußen rumirrst und ich dich wieder retten muß? Gib her das Ding! Hier, steck dir die Binde in die Strumpfhose und dann schlaf. Morgen müssen wir auch noch ein paar Klamotten für dich organisieren! Gute Nacht!“ Anne stampfte mit dem vollen Windelpaket nach draußen und war schon eine Minute später wieder da. Sie fragte nicht, warum Melissa Windeln brauchte. Irgendwann würde sie ihr das schon von selber erzählen.

Als Melissa am nächsten Morgen aufwachte war Anne nicht mehr da. Melissa sah sich um. Jetzt war sie also wirklich auf der Straße gelandet. Wovon sollte sie eigentlich leben? Ihr Magen meldete sich schon. Sie hatte Hunger! Und Sachen zu Anziehen brauchte sie auch. Sie trug ja noch immer die Strumpfhose, das Shirt und das Trägerkleid aus der Einrichtung. Das könnte sie ja nun nicht monatelang oder gar jahrelang tragen. „Frühstück!“ Anne war zurück. Mit belegten Brötchen! Wow! „Gewöhn dich bloß nicht daran. Jeden Tag gibt es das nicht!“ sagte Anne. „Ich mache uns jetzt einen schönen heißen Tee. Und dann wird ordentlich gefuttert. Hau rein!“ „Wo… woher hast du das?“ fragte Melissa. „Na, ein bisschen Stütze kriege ich ja auch. Ist alles ehrlich gekauft! Aber für uns beide wird es nicht reichen. Ein bisschen müssen wir uns noch dazu leihen.“ Anne lachte wieder. „Jetzt iss, oder hast du keinen Hunger?“ „Doch!“ sagte Melissa mit vollem Mund. „Und wie!“

Nach dem Frühstück war Modenschau. Anne hatte aus einem Altkleidercontainer einen Sack rausgezogen und mitgebracht. Melissa riss ihn auf. „Das gibt es ja gar nicht! Guck mal, ein fast neues T-Shirt! Warum werfen die Leute sowas weg? Müsste mir passen.“ Melissa fand noch ein weiteres T-Shirt, was nur ein winziges Loch unter der einen Achsel hatte. Einige Socken, eine Baumwollstrumpfhose mit nur zwei Löchern, einen Pullover und sogar eine Jeanshose. „Schade, die Hose ist etwas zu groß. Sie rutscht!“ sagte Melissa und wollte die Hose schon wieder ausziehen. „Warte!“ sagte Anne. „Ich habe da irgendwo noch einen alten Gürtel. Ach, da ist er ja. Zieh ihn mal ein!“ Melissa fummelte ihn durch die Schlaufen der Hose und machte ihn zu. „Perfekt!“ Anne war sehr zufrieden. „So können wir ausgehen!“ Sie lachte laut.

„Sage mal Anne“, fragte Melissa, „kann man hier eigentlich irgendwo mal aufs Klo? Ich meine, wenn ich mal Groß muß. Oder wie macht ihr das hier? Und kann man sich irgendwo waschen? Und Zähne putzen?“ „Unten am Hafen ist eine öffentliche Toilette“, antwortete Anne. „Da kannst du dich auch waschen. Manchmal gibt es sogar warmes Wasser! Eine Zahnbürste kannst du von mir bekommen. Da habe ich mal eine Großpackung in einer Drogerie geliehen!“ Wieder lachte Anne. „Zahnpasta brauchen wir dringend! Und deine Windeln! Die müssen heute noch beschafft werden. Nimm Fiete mit. Der hat ein Händchen für sowas.“ Fiete lebte auch hier auf der Straße und kannte Anne schon seit vielen Jahren. Er hatte sich auch eine kleine Behausung gebaut und war mit seinem Leben bestens zufrieden. Er vermisste nichts. Melissa war nun mit ihm losgezogen. Sie sollten Zahnpasta organisieren. Und Windeln! Melissa überlegte noch, wie sie es am besten anstellen könnten. „Hier Melissa, ne Packung Windeln für Jugendliche ab 14 Jahren. Did steht wenigstens druff. Müssten wohl passen, wa?“  „Mensch Fiete, wie haste das denn gemacht?“ Melissa staunte nicht schlecht, als Fiete ihr die Windeln reichte. „Betriebsjeheimnis!“ antwortete Fiete. Die Zahnpasta hatte er auch schon in der Tasche. „Nu aber wech, nach Hause!“ Nach Hause. Melissas Zuhause. Das war jetzt Annes Hütte. Hier konnte sie es aushalten. Ja, sie fühlte sich mit der Zeit richtig wohl.

Nach ein paar Monaten war der Alltag für Melissa normal geworden. Sie hatte von Fiete schon einiges gelernt und nun selber schon das ein oder andere ‚geliehen‘. Sie hatte weitere Klamotten im Altkleidercontainer gefunden, sogar ein Paar Stiefel! Nur leicht abgenutzt. Und auch ein Paar schicke Schuhe für Anne. Sie war glücklich, dass sie Anne etwas schenken konnte. Denn Fiete hatte ihr verraten, dass Anne heute Geburtstag hatte. Anne wand sich ein bisschen verlegen hin und her, als Melissa sie am Morgen mit einem fröhlichen ‚Happy Birthday‘ weckte. Aber gefreut hatte sie sich doch! Fiete hatte zur Feier des Tages eine Palette Dosenbier organisiert. Melissas erstes Bier! Es schmeckte ihr nicht so gut… Die zweite Dose dann schon besser! Als Anne und Melissa am späten Abend in ihre Decken gehüllt lagen, hörten sie Fiete laut in seiner Behausung schnarchen. Er hatte das ganze restliche Bier ausgetrunken und war nun selig eingeschlafen. Zum Glück hatte man ihn noch rechtzeitig in seinen Bau bringen können. Dann erzählte Melissa Anne ihre Geschichte. Anne konnte nicht sprechen. Sie hatte einen Kloß im Hals. Es geschah selten, dass es ihr die Sprache verschlug. Ihre Augen waren voller Tränen. Anne räusperte sich ein paar Mal. Dann fragte sie: „Was willst du jetzt machen? Du kannst nicht für immer auf der Straße bleiben. Dafür bist du zu jung!“ „Das weiß ich“, sagte Melissa. „Ich will mein Leben zurück! Aber ich kann mich jetzt noch nicht melden. Sie würden mich sofort zu meinen Eltern zurück bringen. Und die würden mich gleich wieder in die Therapie stecken. Diesmal würden sie mich umbringen! Komisch…“ Melissa überlegte. „Ich fürchte mich gar nicht davor. Ich habe nur Angst davor, WIE sie es dann machen.“ Anne wusste nicht, was sie sagen sollte. Melissa sprach weiter: „Ich muss warten, bis ich volljährig bin. Dann gehe ich zum Meldeamt und sage: Hallo, da bin ich! Die Diebstähle können sie mir nicht nachweisen. Oder sie sind dann längst verjährt. Ich werde mir einen Job suchen und eine Wohnung. Und du kommst dann mit zu mir!“  Anne lachte. „Nein, nein! Lass mich mal schön hier. Ich bin hier schon richtig.“ „Ich habe mir alles genau überlegt.“ fuhr Melissa fort. „Aber etwas fehlt mir dazu noch. Und das hole ich mir nächste Nacht!“

Eine Geschichte von: Susanne
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