Aversionstherapie – Teil 7

Diese Geschichte ist frei erfunden und enthält möglicherweise sexuelle Inhalte!

Es war kurz vor zwei Uhr in der Nacht. Melissa stand auf der Straße und blickte zum Haus. Hier gab es keine Straßenlaternen. Das einzige, spärliche Licht kam vom nicht mehr ganz vollen Mond. Melissa näherte sich langsam dem Haus, bis sie direkt davor stand: Vor ihrem Elternhaus! Sie schaute nach oben, wo die Schlafräume lagen. Der Vater hatte immer einen festen Schlaf gehabt. Ein normaler Wecker konnte ihn nicht wecken. Das musste am Morgen immer die Mutter tun. Aber auch sie schlief nachts tief und fest. Sie behauptete zwar, sie hätte seit Kindheitstagen einen nur sehr leichten Schlaf, aber Melissa wusste, dass das nicht stimmte. Die Chancen standen also gut, dass die Eltern nicht aufwachten.

Melissa ging zur Terrassentür. Sie hatte sich von Fiete ein kurzes Brecheisen ausgeliehen und mitgenommen. Dies setzte sie nun vorsichtig an der alten Tür an. Ein kurzer Ruck – kracks – und die Tür sprang auf. Oh, welch ungeahntes Talent, dachte Melissa und musste grinsen. Lautlos schlüpfte sie ins Wohnzimmer. Sie musste sich erst langsam an die Dunkelheit gewöhnen, die nur durch das fahle Mondlicht etwas erhellt wurde. Eine Taschenlampe hatte Melissa nicht. Das war auch besser so – sie wollte ja nicht bemerkt werden. Sie sah sich im Raum um. Da in der Schrankwand stand noch das alte Familienfoto, dass Melissa im Alter von 9 Jahren mit ihren Eltern zeigte. Jetzt bloß nicht sentimental werden, dachte Melissa. Sie tastete sich bis zur mittleren Schublade und zog sie vorsichtig auf. Da lag es, wie eh und je, gleich oben auf: Das Stammbuch der Familie Braun! Melissa nahm es heraus und durchblätterte es langsam. Dann fand sie, was sie suchte: Ihre Geburtsurkunde! Die Mutter hatte sie fein säuberlich in eine Klarsichthülle gesteckt. Perfekt zum Mitnehmen. Danke Mama, dachte Melissa und musste schon wieder grinsen. Sie steckte das Buch zurück und schloss die Schublade. Sollte ja nicht gleich jeder sehen, was fehlte.

Die Tür zum Flur stand offen. Das war ungewöhnlich. Melissa verspürte den plötzlichen Drang, in den Flur zu treten. Ihr Verstand sagte: Los, hau ab! Aber Melissa konnte nicht widerstehen. Leise ging sie in den Flur und dann weiter bis zur Treppe. Hier war es noch dunkler als im Wohnzimmer. Aber Melissa konnte den Fuß der Treppe trotzdem deutlich erkennen. Am Ende des Flures lag die Küche. Auf der Küchenarbeitsplatte hatte immer ein großer Messerblock gestanden. Oben schliefen die Eltern. Melissa näherte sich langsam der Küche und hatte die Türklinke schon in der Hand. Langsam drückte sie sie nach unten, öffnete die Tür aber nicht. Sie sah sich nochmal zur Treppe um. Sie stellte sich vor, wie sie ein langes Messer aus dem Messerblock zog und damit die Stufen nach oben schlich. Sie öffnet die Schlafzimmertür – sie nähert sich dem schnarchenden Vater – sie setzt das Messer an seine Gurgel – sie rammt ihm das Messer in den Hals – die Mutter wacht auf – die Mutter schreit – Melissa nimmt das Messer – sie sticht der Mutter in den Bauch – sie schlitzt sie………                                                       

Melissa schreckte aus ihren Gedanken auf und ließ die Türklinke wieder los. Sie haben ein Monster aus mir gemacht, dachte sie. Ein Monster! Sie steckte ihre Geburtsurkunde in die Jackentasche und schlich lautlos, wie sie gekommen war, durch die Terrassentür nach draußen. Dann lief sie schnell, ohne sich noch einmal umzugucken, davon.

Drei Stunden war Melissa gelaufen, um zu ihrem Elternhaus zu kommen. Und zurück brauchte sie sogar noch etwas länger. Es war schon hell geworden, als sie Annes Hütte erreichte. Ihre Füße taten ihr weh und in den Beinen brannte jeder Muskel. Aber sie war glücklich. Sie hatte, was sie wollte. Mit ihrer Geburtsurkunde würde sie sich, wenn sie volljährig war, ganz einfach anmelden können, einen Ausweis bekommen, und ein neues Leben beginnen. Völlig erschöpft und Hundemüde rollte sie sich in die Decken und schlief sofort ein. Anne war schon früh unterwegs gewesen und hatte was zum Frühstück organisiert. Als sie zurück kam und die schlafende Melissa sah, war sie froh und erleichtert. Sie hatte sich Sorgen gemacht, weil Melissa so lange weg war. Jetzt ließ sie sie erst mal schlafen. Das Frühstück konnte warten.

„Melissa Braun? Aufstehen und rauskommen!“

Zwei Polizisten hatten Melissa gepackt und zerrten sie auf die Straße. „Ihr Bullenschweine! Lasst die Kleine los! Sie hat nichts getan!“ Anne war außer sich. Sie ruderte mit den Armen und versuchte, sich aus ihren Decken zu befreien. „Melissa, lauf weg! Lauf weg! Ihr Schweine!“ brüllte Anne. „Beruhige dich Anne und misch dich nicht ein!“ Oberkommissar Tom Heffner hatte den Kopf in Annes Hütte gesteckt und hoffte, Anne würde sich nicht zu Dummheiten hinreißen lassen. Er kannte sie schon länger und wusste, wie wild sie werden konnte, wenn man sie reizte.

Die älteren Landstreicher wurden meistens geduldet, solange sie unauffällig blieben und sich nicht beim Klauen erwischen ließen. Das brachte insgesamt weniger Ärger, als wenn man versucht hätte, sie zu vertreiben. Und es konnte durchaus auch von Nutzen sein. Tom hatte von Anne schon den ein oder anderen guten Tipp bekommen, wenn es um die Jagd nach „richtigen“ Verbrechern ging. Das durfte natürlich niemand wissen. Tom mochte Anne. Sie war ein ehrlicher Charakter! Und er schätzte ihre warmherzige Art. „Bullenschweine!“ brüllte Anne. Warmherzige Art?

„Wir müssen Melissa mitnehmen. Es wird ihr nichts geschehen, Anne, reg dich nicht auf!“ Tom wandte sich nun an die beiden Polizisten: „Ich glaube, wir können wohl auf Handschellen verzichten!“ sagte er. Im selben Moment versuchte Melissa, sich loszureißen. Sie trat dem einen Polizisten gegen das Schienbein und versuchte, den anderen zu beißen. „Dann eben doch mit Handschellen!“ seufzte Tom. Melissa wurden die Hände auf den Rücken gefesselt, dann wurde sie unsanft in das Polizeiauto gesetzt. Kurze Zeit später brauste der Streifenwagen davon.

„Passt auf sie auf, bitte!“ Anne war aus ihrer Hütte geklettert und hatte die Hand auf Toms Schulter gelegt. „Versprochen!“ sagte Tom. Dann stieg er in sein Dienstfahrzeug und folgte dem Streifenwagen.

Eine Geschichte von: Susanne
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