Der seltsame Fund – Teil 6

Diese Geschichte ist frei erfunden und enthält möglicherweise sexuelle Inhalte!

Ein lauter Knall. Noch ein Knall! Zerbrechendes Glas. Fliegende Glassplitter. Sich öffnende Airbags. Sirenen, die laut losschrillten.

Dann entsetztes Schreien.

Ich hatte es ja gesagt. Der Busfahrer war viel zu schnell gefahren und jetzt an einer Kurve mit Karacho in einen Kleinwagen gerast. Wir hatten einen Unfall gebaut.

Alle rannten in Panik durch die nächste Tür aus dem Bus raus. Die lauten Sirenen schrillten mir in den Ohren, während mich die Menge aus dem Bus rausdrückte. Als ich dann auf der Straße stand, brauchte ich eine Weile, um mich zurechtzufinden.

Ich befand mich weder in meiner Ortschaft noch in der Nähe meiner Schule. Wir waren wo ganz anders hingefahren.

In meiner Eile war ich heute Morgen in den falschen Bus eingestiegen. Und ausgerechnet dieser Bus hatte jetzt einen Unfall gebaut, weil der Fahrer wie der Teufel gerast war.

Einen Moment lang dachte ich, dass mich der Bus vielleicht nach Hause bringen könnte, nachdem man ihn repariert hatte. Doch dann wurde mir das Ausmaß des Schadens erst richtig bewusst. Dieser Bus würde nirgendwo mehr hinfahren. Er war komplett verbeult, der eine Reifen war geplatzt und auf dem Boden lagen Motorteile. Der beschädigte PKW sah nicht besser aus.

Was sollte ich jetzt tun? Ich holte mein Handy raus, um meine Mutter anzurufen, doch in dem Moment, wo ich den Bildschirm anschaltete, wurde dieser auch schon wieder schwarz. Der Akku war leer. Verdammt noch mal! In mir brach Panik aus. Und nicht nur in mir.

In den folgenden Minuten war die Hölle los. Es war ein einziges Geschimpfe und Gezeter. Nach 10 Minuten kamen dann mehrere Polizeiautos, die die ganze Straße sperrte und ankündigten, dass gleich ein Ersatzbus kommen würde und wir bitte Ruhe bewahren sollten (was natürlich keiner tat). Die Kinder schrien, die Leute schimpften, die Autos hupten, während der Stau immer größer wurde. Doch der Ersatzbus kam einfach nicht. Irgendwann kam dann ein Wagen vom Rettungsdienst, der den schwer verletzen Busfahrer abtransportierte. Immerhin hatte der Idiot ordentlich dafür bezahlt, dass er all unsere Leben aufs Spiel gesetzt hatte.

Nach satten 30 Minuten kam dann auch mal endlich ein Ersatzbus. Alle waren glücklich und dankbar, endlich den Unfallort verlassen zu können. Doch dieser Ersatzbus hatte ein kleines Problem, auch wenn dieses für mich keine große Rolle spielte.

Schließlich waren alle in den Bus eingestiegen, der uns zurück zur Haltestelle bringen sollte. Jetzt waren alle gerettet – könnte man meinen. Doch schon recht schnell ging ein Aufschrei durch die Menschen im Bus.

Sicherlich kann es jeder gut nachvollziehen, dass eine große Busfirma vormittags gerade alle Busse in Betrieb hatte. Das war der Grund, warum man bei diesem Ersatzbus auf einen Bus zurückgreifen musste, der gerade in der Werkstatt war. Natürlich nahm man dabei keinen Bus mit einem Motorschaden, das wäre ja nur dumm (wenn auch immer noch nicht ganz so dumm, wie einen verrückten Raser als Busfahrer einzustellen). Aber z.B. ein Bus, bei dem ein Sitz kaputt war, ließe sich problemlos einsetzen. So war es auch bei diesem Bus, nur war etwas anderes, ebenfalls für die Transportfunktion des Busses absolut nichtiges, defekt. Und das mussten die Menschen im Bus schon bald feststellen.

Als die erste Frau aufs Klo musste, -ihr ahnt es vermutlich schon- fand sie an der Tür zum WC ein großes Schild vor, was sie auf der Stelle aufschreien ließ:

TOILETTEN AUßER BETRIEB

und es waren noch 30 Minuten Fahrt. Ohne Unterbrechung.

Nach nur 10 Minuten nässte in der einen Ecke der erste ein. Gefolgt von einem zweiten.

Es war lustig zu sehen, wie so viele Leute plötzlich begannen, einzunässen, weil sie es nicht mehr halten konnten. Ich machte es gleich und nässte ebenfalls ein, sobald ich es nicht mehr einhalten konnte. Mit einem gewaltigen Unterschied: Bei mir landete alles in der Windel, während bei den anderen der Urin die Hosenbeine hinunterlief. Ein Glück, dass ich mir heute Morgen eine Windel angezogen hatte, dachte ich erleichtert. Am Ende war der Bus so verdreckt, dass wohl nach der Reparatur der Toilette eine Putzaktion anstehen würde. Sicher 13 Personen gingen mit einer nassen Hose aus dem Bus raus, als schließlich dieser sein Ziel erreicht hatte. Nur ich nicht. Es ist eben nun mal schon recht praktisch, stets seine private Toilette dabei zu haben.

Draußen begannen die Leute in ihren nassen Hosen sogleich rum zu zetern und auf den Busfahrer und auf die Busfirma zu schimpfen. Sie schworen sich, nie wieder Bus zu fahren und drohten mit einer Anzeige. Ich konnte die Menschen echt verstehen. Wäre bei mir nicht alles in die Windel gegangen, hätte ich mich vermutlich auch dazugesellt, denn das war ja ein echtes Drama, was bestimmt bald in der Zeitung stehen wird. Doch jetzt lief ich erstmal den kürzesten Weg nach Hause. Zur Schule würde ich heute nicht mehr gehen. Nicht unter diesen Umständen. Jetzt wo jeder aus meiner Klasse weiß, dass ich wieder Windeln trage …

Mittlerweile lief ich nicht mehr, sondern rannte nach Hause. Ich wollte einfach nur noch zu Hause sein, bei meinen Windeln, dort wo ich meine Ruhe hatte! Meine Mutter war um die Uhrzeit noch nicht daheim, also hatte ich mein Haus ganz für mich allein. Leider stolperte ich heute nicht wieder über einen Schnuller, so wie gestern. Hätte ich einen gefunden, dann hätte ich ihn diesmal auf jeden Fall mitgenommen. Aber einen Schnuller findet man wohl nicht alle Tage.

Als ich schließlich zu Hause ankam, wechselte ich mir erstmal die

Windel. Mittlerweile konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie es ohne Windel ist. Ich hatte mich binnen 3 Tagen daran gewöhnt, rund um die Uhr Windeln zu tragen und auch reinzumachen. Nur mein großes Geschäft hatte ich noch nicht in die Windel gedrückt. Als ich das letzte Mal gemusst hatte, war ich gerade in der Schule und hatte keine Windel angehabt, und jetzt musste ich gerade nicht. Ich beschloss, auch irgendwann mal meinen Stinker in eine Windel zu machen. Vielleicht war das ja genau so schön?

Ich sah, dass das Lämpchen vom Anrufbeantworter blinkte. Die Schule hatte wohl angerufen und gefragt, warum ich nicht gekommen bin. Doch das war mir gerade relativ egal. Nachdem ich mir eine neue Windel angezogen hatte, wollte ich gerade die Treppe hinuntergehen, als sich mein Blick auf das Zimmer meiner großen Schwester richtete. Sie war nicht da, genauso wie meine Mutter und meine kleine Schwester.

Plötzlich ging mir auf, dass das jetzt gerade der beste Moment überhaupt war, um ein paar ihrer Baby-Sachen, die meine Mutter ihr gekauft hatte, aus ihrem Zimmer zu stehlen! Schließlich war ich doch der eigentliche Windelliebhaber in diesem Haus und wenn ich jetzt mal ein paar Sachen aus ihrem Zimmer nehmen würde, dann müssten meine Eltern das nie erfahren!

Ich schlich mich also in ihr Zimmer und schaute mich im spärlichen Licht um. Das Zimmer war wirklich zu einem Baby-Raum geworden. In der Ecke standen eine Kugelbahn, Bauklötze und andere Spielsachen für Kleinkinder, während das alte Bett in der Mitte des Raumes verschwunden war. Dort stand jetzt ein Gitterbett. Auf dem Boden lag eine Wickelunterlage und zwei Packungen mit unberührten Windeln. Ich musste grinsen. Offenbar hatte meine Schwester die Windeln bisher erfolgreich abgewehrt.

Und dann erblickte ich sie. Die Gegenstände meines Begehrens. Schnuller! Hätte ich geahnt, dass meine Mutter meiner Schwester so viele gekauft hatte, dann hätte ich niemals auf der Straße nach welchen gesucht! Wo es doch so einfach für mich war, an welche ranzukommen. Doch auffällig war: Diese Schnuller hier waren größer als normale. Es kam mir so vor, als hätte man sie nur für mich gemacht. Schnell schnappte ich mir einen gelben Schnuller, ging zurück in mein Zimmer und legte mich ein wenig in mein Bett. Und dann begann ich am Schnuller zu nuckeln.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich fühlte mich plötzlich so befreit und … ach, ich könnte es gar nicht mit Worten beschreiben. Es war so schön…

Weil ich dazu noch ein wenig Musik hören wollte, schaltete ich das Radio an. Der Sprecher sagte gerade: „… ein schwerer Unfall, bei dem ein Bus in einen PKW gefahren ist“. Ich spitzte die Ohren. Ginges da etwa um den Unfall gerade eben?

„Verletzt wurde lediglich der Busfahrer aus dem Bus. Beide Fahrzeuge sind vollkommen zerstört. Nach etwa 30 Minuten konnte ein Ersatz-Bus kommen, der alle Personen im Bus wieder zur Ausgangs-Haltestelle brachte. Da jedoch die Toilette des Ersatzbusses defekt war, gab es einige weitere Beschwerden der Fahrgäste. Viele Fahrgäste verließen den Bus daher mit einer nassen Hose.“

Ich konnte hören, wie der Nachrichtensprecher ein Lachen unterdrücken musste. Selbst der schaffte es bei der Thematik nicht ganz, sachlich zu bleiben! Doch dann beruhigte er sich wieder und fuhr mit deutlicher Stimme fort:

„Aufgrund von Evakuierungs- und Räumungsmaßnahmen ist die B2875 seit 9 Uhr voll gesperrt. Wir bitten alle Autofahrer zur Vermeidung von Staus, das Gebiet großspurig zu meiden und der U19 zu folgen.

Laut Zeugenberichten ist der Unfall dadurch entstanden, dass der Busfahrer entgegen jeglicher Tempolimits viel zu schnell gefahren sei. Die Geschäftsführung des Bus-Unternehmens zeigt sich sehr betrübt darüber und plant, den Busfahrer zu entlassen und Anzeige zu erstatten.

US-Präsident Donald Trump hat im Weißen Haus entschieden, dass bezüglich des Mauerbaus an der Grenze zu Mexico …“

Ich interessierte mich null für Politik und wechselte daher zu einem anderen Sender. Dieser brachte offenbar gerade Musik, wie ich zu meiner Freude feststellte. Während aus dem Radio wunderschöne klassische Musik ertönte, pieselte ich wieder ein wenig in meine Windel, nuckelte an meinem Schnuller und fühlte mich wie im siebten Himmel. Meine Sorgen waren für einen Moment alle vergessen.

Da hörte ich auf einmal, wie meine Mutter die Haustür aufschloss. Verdammt, mir war die Zeit irgendwie ganz abhandengekommen! Panisch sprang ich aus dem Bett, versteckte meinen Schnuller im altbewährten Versteck hinter meinem Schrank und zog meine Hose ganz hoch, um meine Windel zu verbergen. Danach schaltete ich das Radio aus und hüpfte die Treppe hinunter, meiner Mutter entgegen.

„Jonas! Es ist doch schon 12 Uhr! Warum bist du denn nicht in der Schule?“, fragte sie mich verwundert.

Was sollte ich jetzt antworten?

Die Wahrheit konnte ich ja unmöglich erzählen. „Mir ist auf dem Weg zur Schule schlecht geworden und ich habe total Kopf- und Bauchschmerzen bekommen, also bin ich wieder nach Hause gegangen und habe mich ein wenig ins Bett gelegt.“, piepste ich also mit meiner Lügenstimme.

„Das tut mir aber leid, mein Schatz“, reagierte meine Mutter verständnisvoll. „Aber weißt du, Jonas, vielleicht ist es wirklich besser, dass du heute nicht mit dem Bus gefahren bist. Hast du schon von dem schweren Busunfall heute Vormittag gehört? Die Straßen sind immer noch gesperrt!“

„Um Himmels willen! Was ist denn passiert?“, rief ich schockiert, so, als hätte ich nicht die geringste Ahnung von irgendeinem verunglückten Bus.

„Irgend so ein irrer Busfahrer ist in eine Mercedes E-Klasse reingeknallt. Und dann kam zwar ein Ersatzbus, aber der hatte keine Toiletten.“

„Was? Wie konnten die Fahrgäste denn dann aufs Klo gehen?“ Ich hätte nie geglaubt, dass ich so gut lügen könnte, wenn es drauf ankommt.

„Das ist es ja gerade eben. Viele haben eingenässt. Ich bin froh, dass du nicht dabei warst. Du fährst doch manchmal mit diesem Linienbus. Aber heute bist du zum Glück nicht mit ihm gefahren.“, sagte meine Mutter. Wenn die wüsste, dachte ich mir.

„Wenn du Bauchschmerzen hast, solltest du vielleicht die nächsten Tage auch daheimbleiben.“

In diesem Moment schoss mir ein Blitz durch den Kopf. Nicht der Blitz eines Gewitters oder der einer Kamera, sondern das Licht eines genialen Geistesblitzes.

„Ich glaube, ich habe mir bei dem Wetter irgendeine Entzündung geholt, eine Blasenentzündung vermutlich. Aber ich weiß auch nicht so genau. Als ich vorhin auf dem Klo war, hat das jedenfalls ganz schön weh getan.“

„O je, du Armer“, erwiderte meine Mutter tröstend. „Dann bleibst du am besten die nächsten Tage daheim. Ich klär das mit deiner Schule, mach dir da keine Sorgen. Geh mal hoch und leg dich wieder hin, ich bringe dir gleich einen Tee.“

Das tat ich dann auch, natürlich gekrümmt und mit einer Hand am Bauch, so als würde ich gleich vor Schmerzen vergehen. Mühsam lief ich langsam die Treppe hinauf, während der geniale Plan in meinem Kopf langsam begann Gestalt anzunehmen.

Anmerkung vom Autor: Nein, auch jetzt wird die Story nicht zum 08/15 Schema „Er musste wieder Windeln tragen, weil er wieder ins Bett gemacht hatte“ ausarten.

Eine Geschichte von: Jimket
Diese Geschichte darf nicht kopiert werden!

2 Antworten zu “Der seltsame Fund – Teil 6”

  1. Dramatischer Anfang. Scheint heute der Tag für dramatische Szenen zu sein.
    Bei der Rückfahrt hätte der Bus doch einmal anhalten können für eine Pinkelpause. Erwachsene, die reihenweise in die Hose machen? Lustige Vorstellung, aber doch sehr unwahrscheinlich.
    Warum erzählt Jonas nicht, dass er sich im Bus vertan hat und den Unfall hautnah miterlebt hat? Wäre das nicht Grund genug, um für ein paar Tage zuhause zu bleiben?
    Jonas sieht, dass seine Mutter eine Menge Babysachen für seine Schwester kauft. Sie besorgt sogar ein Gitterbett! Da hätte Jonas sich doch denken können, dass bei den Sachen auch Schnuller dabei sein müssen.
    Trotzdem eine interessante Geschichte. Bin gespannt wie es weitergeht.

    1. Danke für dein Feedback. Nun, das mit den Erwachsenen, die sich reihenweise in die Hose machen, war vielleicht doch ein wenig unrealistisch. Das hätte ich auch einfach weglassen können, da hast du recht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.