Aversionstherapie – Teil 8

Diese Geschichte ist frei erfunden und enthält möglicherweise sexuelle Inhalte!

Melissa saß in einem Vernehmungszimmer und starrte die Wand an. Die Handschellen hatte man ihr abgenommen. Jetzt wartete sie, was geschehen würde. Die Tür ging auf und Tom kam herein. „Hallo, mein Name ist Oberkommissar Tom Heffner.“ stellte er sich vor. „Du bist Melissa Braun?“ „Das wissen Sie doch schon.“ antwortete Melissa trotzig. „Du wirst seit sieben Monaten vermisst, alle suchen dich. Wusstest du das nicht?“ fragte Tom. „Ich kann es mir denken.“ sagte Melissa. „Wie haben Sie mich eigentlich gefunden?“ Tom grinste. „Ich dachte mir, dass du früher oder später bei deinem Elternhaus auftauchen würdest. Also ließ ich es beschatten. Aber nichts geschah! Ich bekam mächtig Ärger, man wollte die Beamten schon abziehen. Doch wer stolpert da plötzlich nachts durch den Garten? Bingo!“ Tom lehnte sich zurück und kraulte genüsslich sein Kinn. Er war froh, dass sein Plan funktioniert und er Recht behalten hatte. „Na toll!“ Melissa ärgerte sich. „Und warum habt ihr mich dann nicht gleich hops genommen und lasst mich noch stundenlang durch die Nacht laufen?“ „Wir wollten sehen, wo du dich die ganze Zeit versteckt hattest.“ sagte Tom. „Bei Anne also!“ „Lasst Anne in Ruhe! Sie hat damit nichts zu tun! Sie hat nur…“ „Mach dir mal um Anne keine Gedanken!“ Tom hatte Melissa unterbrochen. „Du solltest dich lieber um dich selber sorgen.“ Tom wurde laut: „Dir wird Landstreicherei und Diebstahl vorgeworfen!“ „Die Diebstähle… den Diebstahl könnt ihr mir nicht nachweisen!“ Melissa ärgerte sich über den kleinen Versprecher. Jetzt hatte sie die Diebstähle ja praktisch schon zugegeben. Tom fuhr fort: „Bevor du deinen Eltern weggelaufen bist…“ „Ich bin nicht weggelaufen! Ich bin gegangen!“ unterbrach ihn Melissa. Tom lachte. „Also: Bevor du von deinen Eltern weggegangen bist, warst du in einer Therapie. Ist das richtig?“ „Sie wissen aber auch alles!“ sagte Melissa, noch immer trotzig. „Du bist nach anderthalb Jahren nach erfolgreicher Therapie entlassen worden. So steht es hier.“ Tom hielt ein Blatt Papier hoch. „Noch auf dem Heimweg bist du dann weggel… weggegangen. Was ist unterwegs passiert?“ „Nichts!“ antwortete Melissa. „Komm schon Melissa. Irgendwas müsst ihr doch gesprochen haben, deine Eltern und du.“ Tom schaute Melissa fragend an. „Melissa Schätzchen, wie war es denn? Sag doch mal! Du sollst ja jetzt ein richtig braves Mädchen sein!“ Melissa redete sich in Rage: „Als wenn die mich aus einem Wellnessurlaub abgeholt hätten. Diese Therapie (Melissa malte Gänsefüßchen in die Luft) war die Hölle! Die Hölle!“ Melissa schnappte nach Luft. „Du bekamst Reizstrom und leichte Korrekturschläge, steht hier.“ Tom hielt wieder das Blatt hoch. „Reizstrom! Wie süß!“ Melissa lachte gekünstelt. „Über Sinn und Zweck dieser Therapien kann man sicher streiten. Aber sie sind legal. Und die meisten Patienten berichten nur positiv!“ Tom hoffte, er könne Melissa irgendwie reizen. „Ich bin mit Stromschlägen gefoltert worden! Fast jeden Tag! Immer härter, immer länger. Ich bin ausgepeitscht worden! Ich bin mit dem Rohrstock verprügelt worden! Ich wurde gedemütigt und erniedrigt…“ Melissa schäumte vor Wut. „Ja, das sagst du!“ sagte Tom und beobachtete sie. Melissa ließ den Kopf hängen. „Ach, Sie glauben mir ja eh nicht.“ sagte sie. „Nein Melissa.“ Tom wirkte auf einmal sehr ernst, fast traurig. „Es ist noch viel schlimmer: Ich glaube dir!“

„Du glaubst mir?“ Melissa sah fragend zu Tom. Er holte tief Luft: „Wir haben schon länger den Verdacht, dass in der Einrichtung von Doktor Fromm Menschen gequält werden. Sei es zu Versuchszwecken oder aus purer perverser Lust.“ erklärte Tom. Melissa schüttelte den Kopf. „Aber warum nehmt ihr dann den ganzen Laden nicht einfach hoch?“ „Weil wir nichts in der Hand haben!“ schrie Tom. „Nichts!“ Er war jetzt aufgesprungen und rannte durchs Zimmer. Dann setzte er sich wieder und fuhr fort: „Wir haben unter einem Vorwand die Einrichtung überprüft, die Patienten befragt. Nichts deutet auch nur auf die kleinste Verfehlung hin. Wir vermuten, dass es eine verborgene Abteilung gibt, vielleicht ein unterirdischer Bereich. Aber wir können nicht einfach hinfahren und alles umpflügen. Dafür bekommen wir keinen richterlichen Beschluss. Die Hinweise reichen nicht aus, es ist einfach alles zu dünn!“

Tom trank einen Schluck Wasser. Er fragte Melissa, ob sie auch Durst hätte. Sie trank aus demselben Glas. Tom wunderte sich etwas. Dann sprach er weiter: „Durch Zufall hörte ich von deinem Vermisstenfall. Normalerweise habe ich mit Vermisstenfällen nichts zu tun. Dann hörte ich aber, dass du unmittelbar vor deinem Verschwinden eine Therapie bei Doktor Fromm gemacht hattest. Da wurde ich hellhörig! Ich dachte, dieses Mädchen ist vielleicht der Schlüssel, nach dem wir so lange gesucht haben. Es musste eine Verbindung bestehen zwischen der Therapie und deinem Verschwinden. Wir mussten dich unbedingt finden!“ Melissa dachte nach. „Okay, ich könnte als Zeuge aussagen.“ sagte sie. „Man würde dir nicht glauben. Niemand streitet ab, dass es Reizstrom und leichte Korrekturschläge gibt. Man wird unterstellen, dass du maßlos übertreibst. Vergiss nicht, dass Doktor Fromm eine angesehene Therapeutin ist!“ Melissa überlegte weiter. Plötzlich viel ihr etwas ein! „Mensch, wenn Patienten in der versteckten Abteilung gefangen gehalten werden, dann müssen sie doch zwangsläufig in der ‚normalen‘ Abteilung fehlen! Habt ihr denn das bei der Überprüfung nicht bemerkt?“ Melissa sah Tom provozierend an. Waren die denn alle einfach nur zu dumm? „Schlau überlegt Melissa. Sehr gut!“ Tom reckte einen Daumen nach oben. „ Aber da fehlte niemand! Alle angemeldeten Patienten waren anwesend und konnten von uns befragt werden. Wir glauben, dass in der verborgenen Abteilung Menschen versteckt werden, die keine Angehörigen haben. Die niemand vermisst. Verstehst du?“ „Aber ich war doch da! Und ich habe doch meine Eltern! Wie passt das denn zusammen?“ Melissa wartete auf eine Antwort von Tom. Der zögerte. „Ja weißt du…“ begann er. „Deine Eltern haben einen Vertrag unterschrieben.“ „Was denn für einen Vertrag?“ fragte Melissa. „Einen Vertrag, in dem sie der äußersten Behandlung und den härtesten Bestrafungen, die nötig erscheinen, zugestimmt haben. Es tut mir leid“, sagte Tom verlegen. „Ich fasse es nicht!“ Melissa musste schlucken. Das hatte sie nicht erwartet. „Mit diesem Vertrag hatte Doktor Fromm freie Hand. Im schlimmsten Fall hätte sie eine Ermahnung bekommen, falls deine Eltern tatsächlich damit zur Ärztekammer gegangen wären. Aber damit war wohl nicht zu rechnen. Solange du nicht während der Behandlung gestorben wärst, hätte sie nichts zu befürchten gehabt.“ „Deshalb wollten sie mich nach dem Störfall so plötzlich loswerden!“ dachte Melissa laut. „Was denn für ein Störfall?“ wollte Tom wissen. Melissa erzählte ihm, was bei der letzten Strombehandlung passiert war, und wie dann alles auf einmal so schnell ging, und sie entlassen wurde. Tom hatte sich weggedreht und tat so, als hätte er etwas ins Auge bekommen.

Melissa merkte natürlich, dass Tom in Wirklichkeit Tränen in den Augen hatte. Es war ihr ein wenig unangenehm. Deshalb war sie froh über die kleine Pause. Dann fragte sie: „Wenn ich als Zeuge nicht in Frage komme, wie soll ich denn dann helfen?“ „Wir haben einen Plan.“ sagte Tom. Er sah zu einer verdunkelten Scheibe und machte ein Zeichen. Melissa ahnte, dass man durch diese Scheibe von der anderen Seite das Vernehmungszimmer beobachten konnte.

Eine junge, hübsche Frau betrat das Zimmer. Sie lächelte Melissa an und versuchte, möglichst viel Freundlichkeit und Wärme in ihre Stimme zu legen. Sie streckte die Hand nach Melissa aus und wollte ihr über das Haar streichen. „Hallo Melissa, ich bin…“ „Geh weg! Fass mich nicht an!“ schrie Melissa. Sie war aufgesprungen und stand nun zitternd in einer Ecke des Raumes. Die Fäuste vor sich geballt wie bei einem Boxkampf. Tom starrte sie fassungslos an. Was war das denn? Er selber hatte Melissa doch auch berührt. Und auch die Polizisten hatten Melissa angefasst. Aber so heftig hatte sie da nicht reagiert. „Melissa, das ist Staatsanwältin Daniela Schneider. Sie will dir helfen!“ „Diese Art von Gesicht kenne ich!“ sagte Melissa mit bebender Stimme. „Diese gespielte Freundlichkeit, die falsche Zärtlichkeit… In der Einrichtung haben sie auch so eine hübsche, junge Frau: Sina! Sie ist so freundlich, so zärtlich und liebevoll, wenn man sie das erste Mal trifft. Aber sie ist die schlimmste Sadistin, die man sich vorstellen kann. Oh ja, sie versteht es, die Peitsche zu schwingen, den Rohrstock zu schlagen. Weißt du, was sie am meisten mag? Wenn du sie anbettelst aufzuhören! Dann werden die Schläge erst so richtig hart. Aber du bist ja dumm! Du bettelst und flehst immer weiter. Und die Schläge werden härter und härter und härter und…“ Ihre Stimme ertrank in ihren Tränen.

„Melissa, die Frau Staatsanwältin wird dir bestimmt…“ „Tom!“ Daniela Schneider hatte Tom unterbrochen. Sie war erschüttert von Melissas Gefühlsausbruch. Sie tat ihr so unendlich leid. Sie sprach nun ganz ruhig zu Melissa: „Es tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe. Ich wollte wirklich nur freundlich sein! Ich will dir helfen. Und ich werde dir ganz sicher nichts tun! Möchtest du dich nicht wieder hinsetzen? Ich werde auf die andere Seite gehen, ja?“ „Aber nicht anfassen!“ Melissas Stimme bebte noch immer. „Nein, nicht anfassen. Versprochen!“ Daniela nahm die Hände hoch, als würde sie mit einer Waffe bedroht werden, und ging auf die andere Seite des Tisches. Langsam löste sich Melissas Verkrampfung, sie ließ die Fäuste sinken und setzte sich wieder an den Tisch.

„Wir möchten, dass du wieder zurück in die Einrichtung gehst.“ begann Daniela, ihren Plan vorzustellen. „Nein! Niemals! Dann bringen die mich um!“ schrie Melissa. „Nun höre doch erst einmal zu!“ mahnte die Staatsanwältin. „Also: Wir werden dich verkabeln und dann zurück in die Einrichtung bringen. Wir werden alles mithören, was man zu dir sagt. Die Geräte sind heute winzig klein, die werden sie nicht sofort entdecken. Wenn das Gespräch auf deinen letzten Aufenthalt in der Einrichtung kommt, hoffen wir, dass sie sich verplappern. Sobald wir genug gehört haben, werden wir das Gebäude stürmen. Der Richter hat schon zugestimmt. Dann bekommen wir den Durchsuchungsbeschluss!“ Melissa schaute Daniela an. „Sie hoffen es? Sie hoffen, dass die sich verplappern?“ Melissa schüttelte den Kopf. „Nein, nein, nein! Das mache ich nicht! Nein!“ „Du verstehst nicht!“ sagte Daniela und versuchte zu verbergen, dass ihr gar nicht wohl dabei war. „Dich erwartet eine Anklage wegen Landstreicherei und Diebstahl! Das bringt dir ein paar Monate Jugendgefängnis!“ „Wenn schon, das sitze ich auf einer Arschbacke ab!“ Den Satz hatte Melissa von Anne gelernt. „Die Staatsanwaltschaft wird aber deinen Eltern einen Deal vorschlagen: Kein Gefängnis, wenn sie dich zurück in die Einrichtung schicken. Was glaubst du, wie werden sie sich entscheiden?“ Daniela war jetzt richtig schlecht. Am liebsten hätte sie sich übergeben. Aber sie durfte sich nichts anmerken lassen. „Verdammt!“ sagte Melissa. „Dann habe ich ja die Wahl zwischen Pest und Cholera, was?“  Sie schaute zur Staatsanwältin. Verzweiflung lag in ihrem Blick. Daniela hätte am liebsten losgeheult.

Die Eltern hatten, wie erwartet, dem Deal mit der Staatsanwaltschaft zugestimmt. Melissa würde direkt der Einrichtung zugeführt, die Eltern bräuchten sich um nichts zu kümmern. Daniela und Tom hatten Melissa noch einmal alles genau erklärt, die Situation tausendmal mit ihr durchgespielt. „Wir werden uns als Mitarbeiter der Jugendfürsorge ausgeben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Jugendfürsorge Jugendliche solchen oder ähnlichen Einrichtungen zuführt. Das ist unauffälliger, als wenn wir uns als Polizei oder Staatsanwaltschaft zu erkennen geben. Max Lorenz, ein Kollege von Tom, und ich werden dich persönlich dort abliefern.“ erklärte Daniela. „Was Tom, du kommst nicht mit?“ Melissa schaute ihn flehend an. „Es geht nicht. Sie kennen mich da schon. Von der letzten Überprüfung. Aber ich werde in der Nähe sein. Sobald wir losschlagen bin ich dabei!“

Daniela saß neben Melissa auf der Rückbank des Wagens. Sie hatten extra ein Fahrzeug von der Jugendfürsorge geliehen. Alles sollte so echt wie möglich wirken. Max Lorenz fuhr den Wagen. „Kurz bevor wir da sind, werden wir die Kollegen treffen. Dann wirst du verkabelt. Wir werden dich abliefern und gleich wieder verschwinden. Und dann…“ Daniela sprach nicht weiter. Sie hielt Melissas Hand. Melissa hatte Angst, wollte sich aber nichts anmerken lassen. In der Einrichtung lief zunächst alles wie geplant. Melissa wurde aufgenommen. „Du bist Melissa Braun?“ fragte eine Frau, die Melissa noch nie gesehen hatte, und die anscheinend für die Aufnahme zuständig war. „Ja!“ antwortete Melissa knapp. „Warst du schon mal bei uns? Ah ja, jetzt habe ich es gefunden.“ Sie blätterte in einer Kartei. „Du kannst dich schon mal in das Untersuchungszimmer 2 setzen. Doktor Fromm wird gleich zu dir kommen.“ Melissas Herz pochte. Sie ging in das zugewiesene Zimmer und wartete.

Nichts geschah. Melissa sah immer wieder zur Uhr an der Wand. Seit 15 Minuten war sie jetzt hier. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Am liebsten hätte sie über ihre Geräte, mit denen sie verkabelt war, zu Daniela und Tom gesprochen. Aber sie wusste nicht, ob der Raum, in dem sie sich befand, vielleicht auch abgehört wurde. Also schwieg sie.

Daniela saß mit Tom, der inzwischen auch eingetroffen war, im Übertragungswagen der Polizei und lauschte. Die leisen Atemgeräusche von Melissa waren der einzige Hinweis darauf, dass die Verbindung noch bestand. Die Spannung war unerträglich.

Melissa wurde immer nervöser. Warum ließ man sie so lange warten? Sie wäre am liebsten einfach aufgestanden und weggelaufen Sie wollte es endlich hinter sich bringen. Dann flog plötzlich die Tür auf… und da war sie! „Hallo Melissa, schön dich zu sehen.“ sagte Dr. Fromm mit übertriebener Freundlichkeit. „Wie ich höre, hattest du einen schlimmen Rückfall? Ein Glück, dass sie dich gefunden haben!“ Melissa erstarrte zu Eis. Sie sprach kein Wort. „Wir werden natürlich versuchen, dir zu helfen. Dafür werden wir aber die Behandlung intensivieren müssen. Aber du hast ja schon gezeigt, dass du auch eine stärkere und längere Strombehandlung aushalten kannst, nicht wahr?“ Dr. Fromm schaute Melissa mit süffisantem Lächeln an. Melissa wurde schlecht. Dann fasste sie sich ein Herz und fragte: „Frau Doktor Fromm? Wo kommen denn auf einmal die vielen Patienten her? Ich war doch immer allein. Oder höchstens waren wir zu zweit?“ Melissa sah Dr. Fromm an und versuchte, nicht zu blinzeln. „Klienten, Kleines. Wir sagen Klienten!“ korrigierte Dr. Fromm. „Es sind ganz wunderbare Menschen, die sehr gut auf die Behandlung ansprechen. Schwere Fälle wie du müssen natürlich gesondert behandelt werden. Denke doch nur mal an die vielen Bestrafungen, die du bekommen musstest! Das hätte doch den ein oder anderen verstören können!“ Wieder setzte Dr. Fromm ihr widerliches Lächeln auf. „Aber wieso habe ich nie jemanden gesehen?“ hakte Melissa nach. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. „Du warst natürlich in einer gesonderten Abteilung, die nicht frei zugänglich ist. Wir wollen dort ja keine unerwarteten Besucher, die sich verirrt haben, nicht wahr?“

Das musste jetzt doch reichen, dachte Melissa. Wann kommen sie denn endlich und beenden es? Dr. Fromm sprach weiter: „Du bekommst gleich einen Saft, der dich müde macht. Das kennst du doch noch, oder? Wenn du schläfst, bringen wir dich runter. Du darfst nämlich den verborgenen Zugang nicht sehen! Sina freut sich schon auf dich!“ Dr. Fromm hatte jetzt ein breites Grinsen in Gesicht. In Melissas Ohren rauschte es nur noch. „Was ist denn da draußen für ein Spektakel?“ fragte Dr. Fromm. Sie stand auf und sah aus dem Fenster. Mehrere Polizisten stürmten gerade das Gebäude. Im selben Moment wurde die Tür zum Untersuchungszimmer aufgerissen und Tom kam herein. „Doktor Fromm, ich muss Sie bitten, mitzukommen! Ich fürchte, Sie sind verhaftet!“ Tom konnte das Lachen auf seinem Gesicht nicht verbergen. Man sah ihm deutlich an, welche Freude und Genugtuung ihm diese Verhaftung bereitete. Dann stürzte Daniela ins Zimmer. „Melissa! Gott sei Dank!“ rief sie. Daniela nahm Melissa in den Arm und drückte sie fest an sich. „Gut gemacht!“ flüsterte sie. Dann wandte sie sich an Dr. Fromm: „Frau Doktor Fromm? Mein Name ist Staatsanwältin Daniela Schneider. Ich werde Sie anklagen wegen Nötigung, Freiheitsberaubung, schwere Körperverletzung… Und sicher werden noch weitere Delikte dazu kommen. Ich werde mir ganz besondere Mühe geben! Abführen!“ Zwei Polizisten nahmen Dr. Fromm an den Armen und wollten sie wegführen. „Einen Augenblick!“ sagte Tom. Er stellte sich vor Dr. Fromm und fragte: „Sagen Sie uns, wo wir die verborgene Abteilung finden?“ „Such doch selber danach, du Bastard!“ zischte Dr. Fromm. Dann sah sie zu Melissa: „Meinen Respekt, junge Dame!“ Sie machte eine alberne Verbeugung. Dann wurde sie abgeführt.

Ein Bautrupp rückte an und stellte das gesamte Gebäude auf den Kopf. Wände wurden abgeklopft, Fußböden aufgeschnitten. Nach etwa drei Stunden rief jemand: „Hier ist was!“ In einem Behandlungszimmer ließ sich ein schwerer Schrank zur Seite schwenken, nachdem man einen versteckten Mechanismus entdeckt hatte. Eine Treppe wurde sichtbar, die zu einem Gang führte. Am Ende des Ganges lag die verborgene Abteilung. Sina und eine andere Frau waren gerade dabei, ein Mädchen mit dem Rohrstock zu bestrafen. Sie hatten gar nicht mitbekommen, was oben los war. Die Frauen wurden festgenommen, das Mädchen wurde befreit. Die Polizisten trauten sich aber nicht, das Mädchen sofort nach oben zu bringen. Zwei Sanitäter und ein Notarzt wurden gerufen, um zunächst nach dem Mädchen zu sehen.

Melissa saß mit Daniela in der Halle. Sie hatte darum gebeten, bleiben zu dürfen, bis die verborgene Abteilung gefunden ist. Als Sina abgeführt wurde sagte Melissa: „Irgendwie tut sie mir leid. Klar, sie hat schlimme Sachen gemacht und muss dafür bestraft werden. Aber eigentlich ist sie doch auch krank, oder?“ Daniela sagte nichts. Natürlich hatte Melissa recht und Daniela bewunderte sie dafür. Aber selber konnte sie im Augenblick nicht so fühlen. Sie kämpfte mit den Tränen. Dann wurde das Mädchen nach oben gebracht. Sie war völlig apathisch und erkannte Melissa nicht. Melissa erkannte sie sofort! „Oh mein Gott! Das ist sie!“ rief Melissa. Sie hatte die Hände vors Gesicht geschlagen. „Sie war immer noch da unten! Sie sieht schrecklich aus. Was haben sie mit ihr gemacht?“ Melissa wurde erst jetzt plötzlich das ganze Ausmaß bewusst. Es brach förmlich aus ihr heraus. Sie viel Daniela in die Arme und weinte laut los: „Danke! Danke, dass ihr es beendet habt! Danke, dass ihr mich überredet habt, mitzumachen! Danke dass…“ Sie konnte nur noch weinen. Und Daniela weinte mit. Als sich die beiden wieder etwas beruhigt hatten fragte Melissa: „Was ist jetzt mit meiner Anklage wegen Landstreicherei und Diebstahl?“ „Die wird natürlich fallen gelassen!“ antwortete Daniela. „Du hast uns geholfen, Schwerverbrechern das Handwerk zu legen. Was dachtest du denn?“ Daniela streichelte Melissa am Arm. „Danke!… Und was wird jetzt?“ fragte Melissa. „Willst du zurück zu deinen Eltern?“ Daniela sah Melissa fragend an. „Nein! Auf gar keinen Fall!“ Melissa schrie es beinahe. „Okay, du musst nicht, wenn du es nicht willst. Ich kann dafür sorgen, dass sie dich nicht sehen dürfen. Soll ich mich darum kümmern?“ Melissa nickte. „Gut!“ sagte Daniela. „Dann bringen wir dich am besten erst mal in ein Jugendheim, bis wir eine passende Pflegefamilie für dich gefunden haben.“ „Kann ich nicht einfach zurück zu Anne?“ fragte Melissa. Daniela lachte. „Damit ich dich in ein paar Wochen doch noch wegen Landstreicherei und Diebstahl anklagen muss?“ Dann kam ihr ein Gedanke: „Wie wäre es, wenn du erst mal mit zu mir kommst? Ich habe ein nettes, kleines Gästezimmer. Es wird dir gefallen. Und dann suchen wir in aller Ruhe die richtige Pflegefamilie für dich. Was sagst du?“ Melissa überlegte. „Also… zu deinen Eltern, oder zu mir?“ „Zu dir!“ rief Melissa.

Eine Geschichte von: Susanne
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2 Antworten zu “Aversionstherapie – Teil 8”

  1. Sehr dramatischer Teil!
    Gut geschrieben, gut erzählt.
    Nur beim Layout hätte ich mir mehr Übersichtlichkeit gewünscht.
    Wann spricht Tom, wann spricht Melissa? usw.
    Aber sehr gutes Kapitel!

    Beim ersten Kommentar hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Sorry

  2. Sehr dramatischer Teil1
    Gut geschrieben, gut erzählt.
    Nur beim Layout hätte ich mir mehr Übersichtlichkeit gewünscht.
    Wann spricht Tom, wann spricht Melissa? usw.
    Aber sehr gutes Kapitel!

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