Der seltsame Fund – Teil 13

4.8
(5)

Diese Geschichte ist frei erfunden und enthält möglicherweise sexuelle Inhalte!

Der nächste Tag begann mit einer Überraschung:

Nach dem morgendlichen Wickeln teilte meine Mutter mir mit, dass sie heut in die Stadt fahren wird.

„Warum denn das?“, fragte ich sie verwundert.

„Du hast gestern Nacht bewiesen, dass du ganz offensichtlich noch nicht reif genug für ein Bett bist, aus dem man jederzeit rein und raus gehen kann. Ich habe ja gesehen, dass das dazu führt, dass du nächtliche Spaziergänge durch die Stadt unternimmst.“, erklärte sie mir und fuhr fort: „Ich denke, es ist besser, wenn wir dir ein Bett besorgen, welches deinem Entwicklungsstand entspricht. Mal sehen, was für Gitterbetten ich auftreiben kann.“

Vor Freude machte mein Herz Luftsprünge. Das war ja eine der besten Strafen meines Lebens! Natürlich ließ ich mir nichts anmerken und versuchte, ein möglichst enttäuschtes Gesicht zu machen.

Aber ich glaube, meine Mutter wusste genau, wie sehr ich mich über die „Strafe“ freute.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Der Schlüssel drehte sich knirschend im Schloss, als Herr Schneiderhahn, ein junger Polizist, sein Büro in der Polizeistation betrat. Nachdem er das Fenster sperrangelweit geöffnet hatte, wartete er ein wenig, bis die Luft im Raum einigermaßen erträglich und nicht mehr so stickig wie davor war. Schließlich ließ er sich auf seinem Schreibtischstuhl nieder und holte seine To-Do-Liste für heute aus seiner Tasche hervor.

Schneiderhahn stöhnte auf, als er den ersten Eintrag auf seiner ToDo-Liste las: Die Zeugenbefragung vom Busunfall von vor 4 Tagen fortsetzen. Er hatte bereits die letzten 4 Tage die Passagiere des Busses, dessen Busfahrer besoffen (oder „in stark alkoholisiertem Zustand“, wie die Polizei das nannte) in einen PkW

geknallt war. Und heute musste er die Zeugenbefragung wohl fortsetzen, ob er wollte oder nicht.

Seufzend fuhr er seinen Computer hoch und öffnete die

entsprechende Akte. Heute war offenbar ein Junge, der Zeuge des Unfalls geworden war, an der Reihe: Jonas B. stand für die

Zeugenbefragung heute Vormittag im Terminplan. Alter: 12 Jahre,

Körperstatur: schmächtig, Geschlecht, männlich. Nach drei weiteren Klicks hatte er die Adresse des Jungen herausgefunden und stieg zusammen mit einem Kollegen in ein Polizeiauto, um sich auf dem Weg zum zu verhörenden Zeugen zu machen.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Währenddessen später saßen Sara und ich im Garten und warteten auf Niklas und Jens. Sara hatte neben ihrer Kamera auch ihren Fotodrucker und ihr Laptop mit in den Garten genommen. Ich sah, wie sie diesen hochfuhr und ein Programm namens „Adobe Photoshop“ öffnete. Ihr Plan war offensichtlich, aus dem Film, den wir gestern Nacht vor Kevins Haus angefertigt hatten, die besonders schlimmen Momente rauszuschneiden und dann als Foto auszudrucken. (Ich wusste gar nicht, dass so etwas überhaupt geht, aber heutzutage kann man wohl nahezu alles mit Videos machen).

Kurz darauf kamen Niklas und Jens auf ihren Fahrrädern am Haus vorbei direkt durch das offenstehende Gartentor in den Garten hineingefahren. Nachdem wir uns begrüßt hatten, begannen ich und Sara, von allem was sich in den letzten Tagen ereignet hatte zu erzählen. Nachdem wir fertig erzählt hatten, sagte Jens: „Hammer. Die Idee mit Kevin war echt megacool. Auf so etwas wäre ich nie gekommen. Zeigt mal den Film!“

Wir drehten den Laptop so, dass Jens und Niklas den Bildschirm sehen konnten und Sara spielte den Film ab. Jens Augen weiteten sich vor Erstaunen und Niklas stieß einen Pfiff vor Überraschung aus, als der Film an der Stelle ankam wo Kevin und seine Mutter kräftig aufeinander einschlugen. Als sich der Film dem Ende näherte und man sehen konnte, wie Kevin seine Schmusetiere fest an sich drückte, lachten beide laut auf. „Der fiese Kevin, der immer so cool tut, schmust nachts noch seine Stofftiere.“, sagte Jens kichernd und fuhr fort: „Ich hatte schon immer mal gedacht, dass bei Kevin zu

Hause irgendwas gewaltig schiefläuft, aber das hätte ich nicht erwartet. Das Video habt ihr echt mega klasse hinbekommen. Was wollen wir jetzt damit machen?“

„Am besten schicken wir es gleich ans Jugendamt!“, rief Niklas begeistert! „Dann kommt Kevin ins Heim und wir sind den Idioten für immer los! Juhu!“

„Vielleicht sollten wir davor einzelne Szenen aus dem Video ausschneiden und mit Saras Fotodrucker ausdrucken.“, wandte ich ein. Die anderen stimmten mir zu und wir begannen, uns die schlimmsten Stellen aus dem Film auszusuchen, die meine Schwester anschließend mit ihrem Fotodrucker ausdruckte. Offenbar war ihr Fotodrucker batteriebetrieben, anders konnte ich mir nicht erklären, warum der mitten im Garten funktionierte.

„Ich frage mich, wie viele Energy-Drinks der Kevin am Tag trinkt“, bemerkte Niklas, als er einen Blick auf eines der ausgedruckten Bilder warf. Meine Schwester druckte gerade ein Bild aus, auf dem man sah, wie Kevin seiner Mutter eine Ohrfeige verpasste, als ich hörte, wie sich meine Mutter vor unserm Haus mit zwei Männern unterhielt. Kurz darauf rief sie laut: „Jonas! Was hast du angestellt?

Komm sofort zu mir!“

Verwundert betrat ich das Haus durch die Gartentür und ging zum Eingangsbereich. Ich hatte doch nichts angestellt.

Doch als ich den Eingangsbereich betrat, verschlug es mir die

Sprache. Im Türrahmen standen nämlich zwei uniformierte Polizisten, einer mit einem Klemmbrett und einem Stift in der Hand.

Daneben stand meine entsetzte Mutter und blickte mich wütend an.

„Guten Tag. Bist du Jonas B.?“, sprach mich einer der Polizisten an.

„Ja, der bin ich“, sagte ich ängstlich.

„Dann hallo Jonas. Erstmal kann ich dich beruhigen, es besteht kein Grund zur Sorge. Wir möchten lediglich ein kleines Interview mit dir machen. Ich bin Herr Schneiderhahn und der Mann neben mir ist mein Kollege Herr Braunsiefen.“ Er nickte dem Mann mit dem Klemmbrett zu und fuhr fort:

„Wir haben mitbekommen, dass du beim Busunfall vor 4 Tagen anwesend warst. In unseren Akten steht, Moment …“ Braunsiefen gab Schneiderhahn einen Aktenordner, aus dem Herr Schneiderhahn zu vorlesen begann: „Der Busfahrer Herr Kruel von der Busfirma „Bernhard Reisen“ hat am 19.April einen Bus der Marke Renault in einen PkW, eine Mercedes Benz E-Klasse, gefahren. Beide Fahrzeuge waren nach dem Unfall vollständig zerstört. Der Busfahrer, Herr

Kruel, befand sich während dem Unfall in stark alkoholisiertem

Zustand.“

Der Busfahrer hieß her Kruel? Ich kannte den Nachnamen. Das war der von Kevin! War der Busfahrer also Kevins Vater gewesen?

Danach stellte mir Schneiderhahn einige Fragen, die ich wahrheitsgemäß beantwortete. Der andere, Braunsiefen, sagte die ganze Zeit gar nichts, sondern schrieb fleißig meine Aussagen auf seinem Klemmbrett mit.

Zum Schluss fragte mich Herr Schneiderhahn: „Der Ersatzbus hatte ja, wie du sicher weißt, keine Toiletten. Warst du auch unter denen, die sich eingenässt hatten?“ Doch dann zeigte Braunsiefen auf meine nicht übersehbare Windel. Schneiderhahn errötete und sagte peinlich gerührt: „Ah, okay. Das hatte ich gar nicht gesehen“, und machte sich eine Notiz.

Endlich sagte Braunsiefen auch mal etwas: „Okay, dann ist das Verhör hiermit beendet. Einen schönen Tag noch!“ Kurz darauf waren die Polizisten weg.

Hinter mir tauchte auf einmal meine Mutter auf: „Warst du doch beim Busunfall dabei? Ich dachte, du wärst an dem Tag zu Hause geblieben.“

„Ich war noch dem Busunfall so geschockt, dass ich einfach nur nach Hause wollte.“, erwiderte ich. Das war natürlich nicht die reine Wahrheit. Denn eigentlich waren ja die Fotos, die Sara angefertigt hatte der Grund gewesen, warum mir nach dem Unfall nicht mehr danach war zur Schule zu gehen. Doch ich wollte meine Schwester nicht verpetzen. Und meine Mutter schien die Lüge zu schlucken (oder sie wollte das Thema erst mal ruhen lassen). Denn sie nickte

und sagte zu mir: „Das kann ich gut nachvollziehen. Ich finde übrigens, dass du dich heute vor den Polizisten sehr gut verhalten hast.“

Kurz darauf saß ich wieder neben Niklas, Jens und Sara im Garten. Sara hatte mittlerweile alle Bilder ausgedruckt und wir überlegten uns bereits den Brief, den wir für das Jugendamt beilegen wollten.

Schon die Anrede schien ein Problem zu sein: Niklas war der Meinung, dass der Brief mit „Liebes Jugendamt“ beginnen sollte, während Jens unbedingt „Sehr geehrte Damen und Herren“ verwenden wollte. Am Ende einigten wir uns dann auf „Sehr geehrte Damen und Herren vom Jugendamt“. Nach einigen Stunden sah der Brief dann schließlich so aus:

Sehr geehrte Damen und Herren vom Jugendamt,

uns ist zu Ohren gekommen, dass unser Mitschüler Kevin Kruel zu Hause unter untragbaren familitären Verhältnissen lebt. Wir würden ihnen daher empfehlen, der Familie Kruel mal einen Besuch abzustatten. Wir haben dem Brief ein paar Fotos aus Kevins Haushalt beigelegt. Wir glauben, dass es am besten wäre Kevin ins Heim zu bringen.

Viele Grüße

Niklas + Jens + Jonas + Sara (vier Mitschüler von Kevin)

Nachdem Sara den Brief mit den vier Fotos zusammen in einen Briefumschlag gepackt und diesen zugeklebt und mit der Adresse der nächsten Jugendamt-Zentrale adressiert hatte, nahm Niklas den Brief an sich und sagte: „Ich werfe den nachher schnell in den nächsten Briefkasten ein. Ich glaube, wir sollten jetzt losfahren, der

Himmel zieht zu und wir möchten nicht nass werden.“

Also verabschiedeten sich Jens und Niklas, stiegen auf ihre Fahrräder und fuhren los. Meine Mutter war nicht zu Hause. Ich würde also heute Abend nicht gewickelt werden. Das war aber vermutlich gar nicht nötig, meine Mutter hatte mir heute Morgen drei zusätzliche Saugeinlagen in die Windel gelegt – und die würden wohl noch eine Zeit lang halten. Hoffentlich.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Nachdem Herr Schneiderhahn endlich alle Personen, die auf dem

Plan standen, verhört hatte, gönnte er sich in seinem Büro in der Polizeistation erst mal eine Tasse Kaffee. Danach dachte er über den Tag nach, besonders das Interview mit dem Jungen war ihm im Gedächtnis geblieben.

Mannomann war das peinlich, dachte er sich. Hätte ich doch nur heute Morgen die Akte vom Jungen durchgelesen, dann hätte ich sicher einen Hinweis darauf gefunden, dass er noch Windeln trägt und hätte ihn niemals gefragt, ob er auch einnässen musste. Das muss total peinlich für ihn gewesen sein. Mann, der arme tut mir echt leid. Muss mit 12 Jahren noch Windeln kamen.

Doch zu Schneiderhahns großer Verwunderung fand sich in Jonas‘

Akte nicht der kleinste Hinweis darauf, dass dieser Junge noch Windeln trägt. Schneiderhahn, der sich sehr darüber wunderte und es für einen technischen Fehler hielt, trug kurz entschlossen folgendes im Bereich „Gesundheit“ in der Akte von Jonas B. ein:

„Leidet unter Inkontinenz. Muss daher tagsüber noch Windeln tragen.“

So hielt er es für richtig. Man muss allerdings dazusagen, dass Schneiderhahn ziemlich wenig Ahnung von Sachen wie Psychologie und Fetischismus hatte. Sonst wäre ihm wohl aufgefallen, dass ein Junge, der unfreiwillig Windeln tragen muss wohl kaum einen mit Babymotiven bedruckten Body tragen würde.

Nachdem er die Änderungen in Jonas‘ Akte gespeichert hatte, setzte sich Schneiderhahn in sein Auto und fuhr seinem wohlverdientem Feierabend entgegen.

Fortsetzung folgt.

Eine Geschichte von: Jimket
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4 Antworten zu “Der seltsame Fund – Teil 13”

  1. Solche Akten gibt es natürlich nicht in der Realität.
    Wenn stehen Sachen wie Inkontinenz nur in der eigenen Krankenakte, die beim Arzt liegt. Teilweise hat die Krankenkasse da auch noch Akten über die verschriebenen Windeln.

    Die Polizei geht so etwas nichts an und sie dürfte so etwas auch gar nicht speichern.

  2. Die Polizei kann auf Dateien zugreifen, in denen steht, dass ein Schüler wegen seiner Gesundheit noch Windeln trägt? Oder sonst etwas zur Gesundheit?!
    Es gibt staatliche Aufzeichnungen über Kinder, die weder straffällig geworden, noch strafmündig sind?
    Das fällt doch alles unter den Datenschutz und auch Schulakten dürfen nur unter ganz bestimmten Umständen von der Polizei durchgesehen werden.
    Und auch wenn Kevin aus seiner Familie genommen wird, heißt das nicht automatisch, dass er auch die Schule wechselt …

  3. Ich wünsche mir, dass Kevin in eine Pflegefamilie kommt und diese sich rührend und liebevoll um ihn kümmern, wie ein kleines Kind. Durch seine Familie wird dieser zu einen neuen Menschen.

  4. Wieder ein wundervoller Teil. Hoffentlich kommt der Brief beim Jugendamt an. Nicht das Niklas und Jens von Kevin verprügelt werden und dabei den Brief entdeckt.

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