Der seltsame Fund – Teil 12

Diese Geschichte ist frei erfunden und enthält möglicherweise sexuelle Inhalte!

DER SELTSAME FUND

10 Stunden später // 0.00 Uhr

Wie geplant riss mich mein Wecker um Mitternacht lautstark aus dem Schlaf. Schnell schaltete ich ihn aus. Bei dieser Lautstärke würde am Ende noch meine Mutter aufwachen. Viel zu laut knarzten die Türen, als ich langsam durch das Haus schlich. Doch meine Eltern schienen nicht aufzuwachen. Das hörte ich an den lauten Schnarch Geräuschen aus dem Schlafzimmer.

Schließlich stand ich vor unserer Haustür und blickte auf die von den Straßenlaternen erhellte Straße. Ich hatte natürlich meine Taschenlampe vergessen, aber diese war auch gar nicht nötig. Wir hatten Vollmond und am Himmel war kein einziges Wölkchen zu sehen. Der Sternenhimmel, der sich mir heute Nacht bot, war ein atemberaubender Anblick. Doch meine Schwester hatte recht gehabt, es war ganz schön kalt hier draußen. Ich fröstelte. Das musste wohl daran liegen, dass der Himmel wolkenleer war, erinnerte ich mich. Wir hatten das Thema erst kürzlich in Physik durchgenommen. Die Wolken halten die Wärme der Sonne nachts auf der Erde. Und wenn nachts keine Wolken sind, dann kann die Wärm einfach so ins Weltall entweichen. Einfach so …

Aber Mann, wo blieb denn jetzt meine große Schwester? Sara hätte doch schon längst da sein müssen! Ein ungutes Gefühl beschlich mich. Sara wollte mich doch nicht etwa mitten in der Nacht erschr…

„BUH“, rief da auf einmal jemand hinter meinem Rücken. Ich drehte mich um und sah Sara, obenrum im Nachthemd und untenherum nur mit Windel und Wickelbody bekleidet, vor mir stehen.

„Sara!“, rief ich empört. „Bist du denn verrückt geworden, mich mitten in der Nacht zu erschrecken?“

„Ach, ist doch egal. Und jetzt lasst uns losgehen. Je länger wir weg sind, desto größer ist die Chance, dass Mama doch noch mal in unser Zimmer schaut und bemerkt, dass wir weg sind.“

Da musste ich ihr natürlich recht geben. Also rannten wir los. Wir wurden abwechselnd in Licht und Schatten getaucht, als wir unter den Laternen hindurchrasten, die den Wegesrand säumten.

Als wir dann schließlich in die schlechte Gegend der Stadt einbogen (in der Kevin offenbar wohnte, aber das wunderte mich nicht), bekam ich schon ein wenig Angst. In dieser Gegend gab es nachts manchmal Schießereien mit großem Polizeiaufgebot. Aber heute schien alles friedlich. Ob der Schein trügt? Nein, sicher nicht, beruhigte ich mich. Oder vielleicht doch?

Nach einer Weile kamen wir vor Kevins Haus an. Allerdings wäre „Betonbaracke“ wohl eher der passende Begriff gewesen. Das Haus war tatsächlich nicht mehr als ein alter heruntergekommener dreistöckiger Betonklotz. Falls das Gebäude mal mit Farbe bedeckt gewesen war, konnte man von dieser jedenfalls nicht mehr viel Reste erkennen. Der heruntergekommene Zigarettenautomat neben der Eingangstür fügte sich perfekt in das Erscheinungsbild ein und am Haus prangten mehrere große Sprühereien: Einmal „FCK NZS“, was man allerdings kaum noch erkennen konnte, weil es ein anderer mit einem riesigen Hakenkreuz übersprüht hatte und noch ein drittes Symbol, auf das ich jetzt lieber nicht eingehe. Kurz gesagt: Das Haus sah so richtig assi aus.

Während ich den verkümmerten Rasen vor dem Haus betrachtete, hatte meine Schwester schon die Kamera angeschaltet, bis an die Scheibe von Kevins Wohnung herangezoomt und die Filmaufnahme gestartet. Als ich schließlich meinen Blick auf das Display richtete staunte ich nicht schlecht über das, was dort zu sehen war.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Kevin saß am Rechner und grinste in sich hinein. Er hatte es geschafft diese bekloppte Sara zu erpressen und weil er daher heute den Einkauf nicht tragen musste hatte er den ganzen Tag dieses neue Ballerspiel gespielt, den Namen hatte er längst vergessen. Kevin liebte alles was mit ballern und schießen und schlagen zu tun hatte, daher hatte er schon seit heute Nachmittag nichts anderes gemacht als andere in diesem Spiel abzuballern. Mittlerweile war es schon Nacht geworden, er hatte keine Ahnung, wie spät genau, aber es musste schon nach Mitternacht sein. Und das war ihm auch egal. Hauptsache, er konnte weiterspielen und

immer weiter spielen … BUMM BATSCH BUMMM BUMM PENG BUMM BATSCH baller BUMMM BUMMMMM!!!

Kevin war so auf sein Spiel konzentriert, dass er noch nicht mal realisierte, dass seine Mutter ins Zimmer gekommen war. Als er sie dann bemerkte, hielt er sie natürlich gleich für eine Figur aus seinem Ballerspiel und begann sofort kräftig auf sie einzuschlagen, so fest, dass ihr die halb gerauchte Zigarette aus dem Mundwinkel fiel und ihre Bierflasche auf dem Boden zerklirrte. Doch Kevins Mutter war natürlich auch eine richtige Schlägertypin und da die fallengelassene Bierflasche nicht die erste war, die sie an diesem Abend getrunken hatte wusste sie nicht wirklich was sie tat, als sie kräftig auf ihren Sohn einschlug. Dieser war ihr natürlich nicht gewachsen und rettete sich laut schluchzend auf sein Bett, wobei er fast über die vielen leeren Energy-Drink-Dosen stolperte, die den Boden in seinem Zimmer bedeckten. In dem Moment kam Kevins

Mutter das starke Verlangen nach mehr Bier auf. Sie suchte den Boden nach ihrer Bierflasche ab, bis ihr schließlich einfiel, dass diese ja zerbrochen war. Schließlich torkelte sie laut brüllend ins Wohnzimmer, wo sie schnell den Korken aus einer Weinflasche herauszog. Ist zwar kein Bier, aber egal, dachte sie sich.

Hauptsache Alkohol.

Währenddessen drückte Kevin heulend fest seine vielen Kuscheltiere an sich. Er wusste, dass es total uncool war, aber er liebte seine Kuscheltiere. Die Pistolengeräusche aus dem Lautsprecher seines Rechners, an dem das Ballerspiel immer noch lief, begleiteten ihn in einen unruhigen Schlaf.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Ein Sound ertönte, als Sara, meine große Schwester an ihrer Kamera die Videoaufnahme beendete. Wir grinsten uns kurz an und begannen dann, zurück nach Hause zu rennen. „Das können wir morgen direkt dem Jugendamt geben“, meinte ich zufrieden, während wir uns unserem Haus näherten. Einem schönem Haus, nicht so einer verkommenen Bruchbude wie Kevins Zuhause.

Das, was ich gesehen hatte, hatte mich zutiefst aufgewühlt. Irgendwie hatte ich mittlerweile sogar ein wenig Mitleid für Kevin bekommen. Denn daran, dass aus ihm so ein brutales Kind geworden war, waren bestimmt seine nicht weniger brutalen Eltern

dran schuld. Diese Saufbolzen hatten ihn bestimmt von Anfang an falsch verzogen und komplett verwahrlosen lassen. Aber egal. bald würde Kevin geholfen werden. Wir mussten nur noch das Jugendamt informieren und dann würde man Kevin ins Heim schicken und wir wären ihn los. Das wäre doch das beste was wir tun können, oder?

Daran, dass es vielleicht ebenfalls nicht ganz so legal ist, mitten in der Nacht bei anderen zu spionieren, dachte ich natürlich nicht. Daran, dass der Fachbegriff für so etwas „Stalking“ lautete, dachte ich natürlich auch nicht. Mir ging es nur um eins: Kevin loszuwerden.

Als wir schließlich vor unserer Haustür ankamen, suchte ich die Taschen meines Schlafanzuges nach einem Schlüssel ab, doch … ich fand keinen. Verdammt! Ich hatte meinen Schlüssel vergessen! Doch zum Glück hatte meine Schwester offenbar daran gedacht, einen Haustürschlüssel auf unsere „Expedition“ mitzunehmen. Erleichtert betrat ich den Eingangsbereich. Nun galt es nur noch, uns in unsere Betten zu legen, ohne unsere Mutter aufzuwecken, dann wäre diese Operation einwandfrei perfekt gelaufen.

Doch das Unheil wartete bereits auf uns auf der Treppe.

Als wir nämlich das Treppenhaus betraten, stand auf dem Treppenabsatz unsere Mutter. O nein, dachte ich erschrocken. „Was, wenn ich fragen darf, soll das hier werden?“, fragte uns unsere Mutter erbost.

Ich sah meine Schwester an und in ihren Augen lag ein panisches Flackern, welches man sonst nur bei Vokabeltests, auf die man nicht gelernt hatte oder unangekündigten Spindkontrollen entdecken konnte.

„Jonas! Schau mich bitte an. Kannst du mir mal sagen, was mit dir im Moment los ist? Zuerst gehst du ohne meine Erlaubnis an meinen Rechner und danach spazierst du mit deiner Schwester kreuz und quer durch die Nacht! Das wird ein Nachspiel haben!“, sagte sie erzürnt. „Geht jetzt in eure Zimmer!“ Dann schickte sie uns noch einen Blick hinterher, der uns klar machte, dass sie keinen Widerspruch duldete. Jedenfalls nicht heute.

Bedröppelt machten wir uns auf den Weg in unsere Zimmer. Jetzt war die ganze Aktion doch aufgeflogen. Am meisten regte mich auf,

dass meine Mutter auf Anhieb erraten hatte, dass ich meine Schwester dazu angestiftet hatte mitzukommen.

Aber hey, wir hatten ein mega krasses Video von Kevin gemacht! Und wenn Kevin erst mal im Jugendheim ist, dann wird schon alles gut werden. Oder?

Eine Geschichte von: Jimket
Diese Geschichte darf nicht kopiert werden!

Wie fandest du diese Geschichte?

von 5 Sterne. Nutzer hat/haben abgestimmt!

1 Antwort zu “Der seltsame Fund – Teil 12”

  1. Also, mit diesem Teil bin ich überhaupt nicht zufrieden!
    Sara geht nur mit Windel, Body und Nachthemd bekleidet durch die nächtlichen Straßen? Gibt ihr das einen besonderen Kick, dass sofort jeder die Windel sehen könnte? Oder will sie sich dafür bestrafen, dass sie Jonas bloßgestellt hat? Damit auch sie als Windelträger im Fokus steht und nicht mehr Jonas alleine?
    Aber das ist nicht der Punkt, der mich stört!
    Kevin und seine Familie wohnen also im schlechten Teil der Stadt.
    In einem sozialen Brennpunkt!
    Und die Mutter ist betrunken und schlägt ihren Sohn.
    Das ist doch Klischee!
    Sind es nicht zuletzt die verzogenen Kinder, die von ihren Eltern immer wieder in Schutz genommer werden? “Nein, mein lieber kleiner Kevin schlägt doch niemanden! Das muss eine Verwechselung sein! Oder ein Missverständniss! Bestimmt hat sich unser lieber Sohn nur gewehrt!”
    Oder die gut situierten Familien, die auf eine heile Fassade bedacht sind und ihre Kinder auf jeden Fall heraushauen, damit kein schlechtes Licht auf die Familie fällt. Und die Kinder irgendwann denken, meine Eltern sind so mächtig, da kann ich mir alles erlauben, mir kann gar nichts passieren?

Schreibe einen Kommentar